Jüdische Geschichte

Ältestes jüdisches Fundstück

„Ein interdisziplinäres WissenschafterInnen-Team der Universität Wien ist bei der Auswertung von Fundmaterial eines antiken Gräberfelds im burgenländischen Seewinkel auf eine kleine Sensation gestoßen: Ein Kindergrab enthielt ein Amulett aus Goldblech, das mit einem jüdischen Segensspruch versehen war. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass bereits in der römischen Kaiserzeit Menschen jüdischen Glaubens in unserem Raum lebten.“ (Pressemeldung der Universität Wien vom Dienstag, 4. März 2008)

Erster namentlicher Nachweis

Der Münzmeister Schlom wird 1194 in einer Urkunde erwähnt und ist damit der erste namentlich erwähnte Jude im Gebiet des heutigen Österreich.

Judenprivileg

Kaiser Friedrich II, der Stauffer, sprach in seinem Judenprivileg 1236 von „servi camere nostri“, seinen Kammerknechten, eine faktische Leibeigenschaft.
Herzog Friedrich II, der Streitbare, stellte ein „Judenprivileg“ aus, das für mehrere Jahrhunderte die rechtliche Grundlage des jüdischen Lebens in Österreich war. Es gab den Juden Schutz, regelte ihre Geschäfte und ihren Status gegenüber der christlichen Mehrheitsbevölkerung.
Im Laufe der Entwicklung trat der Aspekt des Schutzes hinter das vor allem finanzielle „Nutzungsrecht“.

Die erste jüdische Gemeinde

existierte vermutlich schon im 13. Jahrhundert in Korneuburg. Sie siedelten im Westen der Stadt, nahe dem Stockerauer Tor. Im Pogrom 1305, einem sogenannten Hostienfrevel, lapidar beschrieben „… wurde der von Juden geschändete Leib Christi gefunden und die Juden wurden verbrannt.“ In der kirchlichen Untersuchung wurde nachgewiesen, dass es sich bei der „Wunderhostie“ um eine Fälschung und bei der angeblichen Schändung durch die Juden um eine böswillige Unterstellung handelte. Anstelle der damaligen jüdischen Ansiedlung entstand eine Wallfahrtskapelle, den Augustinern übertragen. Heute stehen hier die Augustinerkirche und das ehemalige zugehörige Kloster. Die jüdische Gemeinde existierte noch bis 1420, ihre Mitglieder lebten nun im Osten der Stadt weiter, erbauten eine Synagoge, deren Reste heute nur noch als umstrittene Ruine existieren. Dann wurden sie endgültig vertrieben.

Wieder zurück kamen die Juden erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts.

[Die historischen Kapitel wurden von Mag. Klaus Köhler verfasst.]

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