+ Korneuburg

Auch Korneuburg hatte bald eine ansehnliche jüdische Gemeinde, sie blieb aber in Größe und Bedeutung hinter der Schwesterstadt Stockerau zurück. Im Jahre 1869 waren es 32 Frauen und 31 Männer; bis 1900 stieg die Zahl auf 133, davon waren aber 43 Soldaten. Korneuburg war eine große Garnisonsstadt, in der bis zu zwei Regimenter stationiert waren.

Johann Lederer kam zwischen 1871 und 1873 nach Korneuburg. Er eröffnete für einige Jahre eine Branntweinerzeugung und nachdem er 1888 das Haus in der Wienerstrasse 2 erworben hatte, einen Gemischtwarenhandel. Sein Sohn Friedrich und dessen Frau Olga führten das Kaufhaus und eine Gastwirtschaft bis 1938 erfolgreich weiter. Dann wurde die Familie vertrieben, Haus und Geschäft arisiert. Friedrich starb 1940 in Wien, Olga wurde in Auschwitz ermordet, ihre beiden Kinder Flora und Johann konnten nach den USA und Palästina fliehen. Johann, seine zweite Frau Kathi und sein Sohn Friedrich sind am Zentralfriedhof beim Tor 1 begraben. Das Grab ist zerstört, der Grabstein in zwei Teile zerbrochen. Zumindest der Stein sollte zusammengelegt werden – ob das wohl jemand aus seiner Heimatstadt Korneuburg veranlassen wird?

Im Nebenhaus – Hauptplatz 19 wurde schon viele Jahre vor der Jahrhundertwende ein Teil als Bethaus angemietet und viele jüdische Bürger hatten hier ihren Wohnsitz. Hauptplatz 20 – das Soferhaus, war von Oskar Sofer 1922 erworben worden, er errichtete darin ein Textilwarenhaus. Gegenüber, im Rathaus hatte sein Vater Moritz mit seiner Mutter Anna ein Vermischwarengeschäft und am Hauptplatz 23 war das Hutgeschäft seiner Schwiegertochter Anna Sofer – Mauders, sie war Modistin. Oskars Kaufhaus wurde sehr schnell und sehr brutal arisiert, die beiden anderen Geschäfte wurden nach Enteignung stillgelegt. Ing. Oskar Meisel betrieb eine Holz verarbeitende Firma im Trenkenschuh. Friedrich Schwarzstein war Dentist und ordinierte am Hauptplatz 28. Er emigrierte nach England und kam nach dem Kriege wieder nach Korneuburg zurück, hier führte er seine „Zahnklinik“ weiter.

In der Donaustraße 14 wohnte die Familie Deutsch, in der Eisenbahngasse 10 die Familie Altmann, im Bankmannhaus in der Stockerauerstraße 10 lebte die Familie Salzer – alle diese Familien sind bis auf Einzelne ausgerottet worden.

Die Zwillingsbrüder Emil und Moritz Mondschein waren in der Hovengasse 10 zu Hause, sie waren pensionierte Eisenbahner. Einer wurde in Lodz ermordet, der Andere beging Selbstmord in Wien. Wer von beiden welchen Tod starb konnte nicht geklärt werden.

Pfarrer Dr. Vinzenz Oskar Ludwig war der katholische Stadtpfarrer von Korneuburg. Er war Wissenschafter, Schriftsteller und Theologe und er war Deutschnationaler. Seine Intellektualität aber, seine Weltoffenheit und seine Humanität ermöglichten es ihm die Nationalsozialisten zu erkennen und abzulehnen. So kamen viele, vor allem Wiener Juden zu ihm um zu konvertieren, weil sie dadurch Rettung vor den Nazis erhofften. Vom 7. Februar bis zum 24. September 1938 taufte er 446 Menschen jüdischen Glaubens, obwohl er wusste, dass für die meisten von ihnen das Konvertieren eine Überlebensstrategie und nicht eine Glaubensfrage war. Dann wurde er von der Gestapo verhaftet und seines Postens enthoben.

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