– Der Friedhof

Mit Edikt Josefs II. wurde der katholische Friedhof in Korneuburg auf das Muckenauer Feld verlegt. 1889 wurde er Kommunalfriedhof und 1899 erstmals erweitert.  Im Jahr 1913 erfolgten Planung und behördliche Bewilligung für eine weitere  Erweiterung, den Bau des „Heldenfriedhofes“  und den Bau einer „Israelitischer Abteilung“.  Spatenstich war im Oktober 1915, die Eröffnung durch den Armeeoberkommandanten Erzherzog Friedrich im August 1917 wurde festlich begangen.

Der jüdische Teil bildet zugleich den Abschluss des Friedhofes nach Westen. Vorgesehen waren vier Gruftplätze und 28 Grabstellen, davon sind eine Gruft und 25 Gräber mit 34 Belegungen nachweisbar, vier davon wurden 1976 exhumiert und verlegt. Die erste Grablegung fand am 16. Juni 1918 statt, beerdigt wurde Johanna Eisler, geborene Skamperl, aus Stetten. Sie hatte neun Kinder geboren, fünf starben bei und nach der Geburt, zwei Töchter starben in der Kriegszeit –  die eine wurde  in der Shoah ermordet, die andere starb in Shanghai. Eine weitere Tochter überlebte mit ihren Kindern, weil ihr „arischer“ Mann zu seiner Familie stand.  Das neunte Kind, ein Sohn konnte nach Palästina auswandern, er kam später zurück. Ihr Ehemann und seine zweite Frau starben in der Shoah.  Der Grabstein von Johanna Eisler erinnert an dieses jüdische Schicksal.

Die letzte Beisetzung, für Eduard Salzer, erfolgte am 13. Februar 1959.  Der Friedhof  wird nicht mehr belegt.

1920 wurde die Chewra Kadischa für Korneuburg gegründet, Sitz war das Ledererhaus am Hauptplatz. Die „heilige Bruderschaft“ zeichnet für Krankenbesuch, Gebet am Sterbebett und die rituelle Bestattung verantwortlich.

1943 wurde die Auflassung des jüdischen Friedhofes über Ersuchen der Stadtverwaltung genehmigt. Es sollte nach Entfernung aller Grabsteine als Grünfläche „gärtnerisch ausgestaltet“ werden. Es blieben aber neun Grabmäler erhalten. Die „Israelitische Abteilung“ wird nun von der Stadtgemeinde Korneuburg als Gedenkstätte gepflegt. [verfasst von Mag. Klaus Köhler]

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