+ Stockerau

„Im Jahre 1856 beschlossen die in Stockerau und Umgebung wohnenden Juden einen Minjanverein zu errichten, der seinen Mitgliedern und deren Angehörigen die gemeinschaftliche Verrichtung des Gottesdienstes, die Vornahme von Trauungen, Beschneidungen und sonstige jüdischen Kultushandlungen in einem Bethauslokale zu Stockerau und Grafendorf, sowie auch die Gewährung des jüdischen Religionsunterrichtes ermögliche“. (Starzer 1911).

Nach einer Statistik, basierend auf der Volkszählung 1869 bestand die Gemeinde aus 68 Mitgliedern, gleichviel Frauen wie Männer, sowie 21 Schulkindern, einem Lehrer, einem gemieteten Bethaus mit angeschlossener Religionsschule. Die Gemeinde wuchs rasch, 1910 lebten bereits 199 in der neu ernannten Stadt, 19 davon waren Soldaten.

Nachstehend wird eine Auswahl von jüdischen Bürgern vorgestellt: Josef Sofer, Kaufmann Hauptstraße 47, sein Sohn Wilhelm Sofer, Textilkaufmann Hauptstraße 43, Wilhelm Jelinek. Gemischtwaren , Baumaterialien Sparkassenplatz 8, Leiser Zloczower, Holzhändler Pragerstraße 19, Helene Munk, Gemischtwaren Hauptstraße 18, Ignaz Löffler und Helene Mayer, Kaffeehaus (heute Wolfikstraße 6), Eduard Beer, Rohprodukte, Altwaren Hauptstraße 15, Dr. Max Wertheimer, Arzt Schießstattgasse 3, Dr. David Blatt, Rechtsanwalt Schießstattgasse 3, Leo Egerer, Bahnbeamter, Schriftsteller und Liedermacher, Schießstattgasse 10.

Sie waren erfolgreich —- sie haben Stockerau mit aufgebaut —- sie starben alle in der Shoah.

Inwieweit neben den geschäftlichen Verbindungen die jüdischer Bürger in das gesellschaftliche Leben der Stadt einbezogen waren ist heute nur mehr schwer zu beantworten. Tatsache ist aber, dass sie, sich unabhängig machend, eine Anzahl jüdischer Vereine gründeten. Neben den religiösen, gab es gesellschaftliche und politische, die sich teilweise bereits vor der Jahrhundertwende konstituierten.

Der Israelitische Wohltätigkeits- und Frauenverein wird im Gründungsjahr 1890 mit 30 Mitgliedern beschrieben, im Jahre 1891 waren es 27, die Vorstandsfrau war Helene Munk.

Ein Einzelverein des Zion Verbandes der österreichischen Vereine für die Kolonisation Palästinas und Syriens wurde für Stockerau und Korneuburg 1909 gegründet. Sie waren von Anfang an aktiv, organisierten Feiern, Vorträge und warben eifrig für die zionistische Bewegung. Vorstand war Eduard Hahn.

Der Jüdische Geselligkeitsverein Stockerau entstand im Jahr 1921.

Am 18. April 1937 wurde die Ortsgruppe des „Bundes Jüdischer Frontsoldaten Österreichs“ in Stockerau konstituiert. Der Bund wurde 1932 in Wien als Selbstschutzorganisation gegründet, um die jüdischen Bürger und Einrichtungen gegen die Angriffe der Nationalsozialisten zu schützen. Gründungsmitglieder waren Wilhelm Sofer, Wilhelm Jelinek, Hermann Hahn u.a. Den Sitz hatte die Ortsgruppe in der Synagoge.

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