– Der Tempel

Am 14. Jänner 1901 kaufte der Minjanverein ein Grundstück Ecke Manhartstraße, Schießstattgasse und beauftragte im Jahre 1903 den Stockerauer Baumeister Leopold Holdhaus mit dem Bau des Tempels. Dieser wurde am 3. Dezember desselben Jahres von Rabbiner Moses Rosenmann eingeweiht.

Finanziert wurde Kauf und Bau aus Mitteln des Minjanvereines, durch einen Kredit der Sparkasse Stockerau und durch eine im Jahre 1902 durchgeführte Sammlung bei den Glaubensgenossen in der zisleithanischen Reichshälfte der Habsburgermonarchie.

Mit Errichtung der Kultusgemeinde Stockerau 1907 wandelte sich der Minjanverein zur Chewra Kadischa (heilige Bruderschaft); Synagoge und Friedhof jedoch wurden erst 1926 an die Kultusgemeinde überschrieben.

Der Tempel war bis 1938 das Zentrum des religiösen Lebens der Gemeinde.

Am 19. August unterzeichnete der Vorstand der Kultusgemeinde, Ignaz Löffler, Albert Munk und Hermann Hahn einen Schenkungsvertrag zu Gunsten der evangelischen Filialgemeinde Stockerau. Im Hintergrund hatte die Stadtgemeinde Stockerau an den Fäden gezogen. Es war eine „Arisierung der anderen Art“.   Die „leidige Stockerauer Angelegenheit“ wurde 1953 durch einen Vergleich der Evangelischen Kirche mit der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien geregelt.
Am 19. Juni 2011 eröffnete die evangelische Gemeinde, nach Renovierung, die Lutherkirche mit einem Gottesdienst. Beeindruckend ist die helle, schlichte, moderne Wiederherstellung und Ausgestaltung des Innenraumes. Die Hinweise und Zeichen des Alten Tempels wurden freigelegt, restauriert und für alle ersichtlich dargestellt. Der Vorraum ist als Erinnerungsraum gestaltet und stellt die Geschichte des Tempels und seinen „Übergang“ zur Lutherkirche offen und selbstkritisch vor.

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