Die Juden im Bezirk Korneuburg

Das historisch wissenschaftliche Projekt über die Geschichte der Juden im politischen Bezirk Korneuburg ist abgeschlossen.
Das Buch ist seit Juni 2013 im Buchhandel erhältlich.

1. Projektbezeichnung, Buchtitel: „Ein so schrecklich zerrissenes Leben .“ Leben und Schicksal der Juden im Bezirk Korneuburg 1848 – 1946.
2. Autor: Mag. Klaus Köhler, geb. 1939.
3. Zeitrahmen: Mitte 19. Jahrhundert bis in die Anfangsjahre der 2. Republik.
4. Räumliche Grenzen: Der Sprengel der ehemaligen Israelitischen Kultusgemeinde Stockerau – Korneuburg, der der Ausdehnung der Bezirkshauptmannschaft Korneuburg, mit den beiden Gerichtsbezirken, entsprach.
5. Motiv: Über diesen geographischen Raum und den zeitlichen Rahmen liegt zum Thema, außer einigen kleinen Artikeln in lokalen Zeitschriften, keine detaillierte historische Bearbeitung vor.
6. Beschreibung:
Die Immigration der Juden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem aus Böhmen, Mähren und Oberungarn war der Ausgangspunkt zur Entstehung der jüdischen Gemeinden in Niederösterreich. Erstmals nachweisbar, 1856 in Stockerau und 1859 in Korneuburg.
Die Entwicklung der Minjanvereine im 19. Jahrhundert und die Gründung der Kultusgemeinde Stockerau – Korneuburg im Jahre 1907 umfassen den ersten Teil der Darstellung. Die internen Probleme kleiner Kultusgemeinden wurden bei der Bestellung der Rabbiner, bei der Lösung sozialer, kultureller und religiöser Differenzen, sichtbar. Die externen Einflüsse waren der immer aggressiver werdende Antisemitismus und die wirtschaftlichen und sozialen Härten in den Jahren der 1. Republik und des faschistischen Ständestaates.
Der Bau der Stockerauer Synagoge 1903 war einer der Höhepunkte im Leben der jüdischen Gemeinde und bedurfte großer finanzieller Anstrengungen. Die „Arisierung der anderen Art“, die Inbesitznahme und Umwandlung in eine christliche Kirche zeigt seine Wirkung bis heute. Die evangelische Gemeinde stellte sich aber, bei der Renovierung der „Lutherkirche“ im Jahr 2011, ihrer Geschichte.
Die Errichtung des jüdischen Friedhofes in Stockerau 1874, die zweimalige Erweiterungen und die namentliche Belegung mit 305 Personen, sowie die Umstände zur Errichtung des Massengrabes im Jahr 1945 konnten nachgewiesen werden, ebenso wie der Bau der „Israelitischen Abteilung“ im Zuge der dritten Friedhofserweiterung in Korneuburg, im Jahre 1915 bis 1917 und die Belegung mit 41 Personen.
Der zweite Teil, nicht klar abgegrenzt, versuchte das Leben der Menschen zu beschreiben, als sie nach etwas mehr als 400 Jahren wieder zurückkommen konnten. Hier ihre Familien gründeten, ihre Kinder großzogen, von denen viele aber in die große Stadt, nach Wien abwanderten. Die erste Generation versuchte dabei ihrer Kultur und Religion treu zu bleiben, um als jüdische Bürger akzeptiert zu werden. Ihre Nachkommen versuchten dieses Ziel zu erreichen, indem sie sich assimilierten, unter teilweisem Verzicht der alten jüdischen Werte. Sie strebten die Aufnahme in die Mehrheitsgesellschaft an, wurden oft benötigt und auch geachtet, waren aber nie voll aufgenommen und blieben immer an ihrem Rand gehalten. Bis diese Gesellschaft sie dann, als die politischen Umstände es erlaubten, schnell und brutal ausstieß, sich an ihnen bereicherte, sie vertrieb und ihre Ermordung zuließ.
Am Beispiel des Schicksals Arthur Sofers, eines Heimkehrers nach Korneuburg soll gezeigt werden, dass mit dem gewaltsamen Wechsel des politischen Systems, nach sechs Jahren Krieg, das Gedankengebäude des Nationalsozialismus nur langsam zusammenbrach.
Die Errichtung von Handelsbetrieben, der Ankauf von Häusern damit das Vordringen in die Zentren der beiden Städte, zeigt den sozialen Aufstieg, aber auch die Distanz, welche die bestehende Gesellschaft gegenüber den Juden bewahrte. Dieses Kapitel wird fortgesetzt mit der Untersuchung des Vermögensentzuges – es gab im Bezirk fünfzig „Arisierungen“ von Häusern und Grundstücken – und ihre in vielen Fällen unvollständige und unklare, bis unterlassene Restitution.
Der Versuch des Korneuburger Pfarrers Dr. Ludwig durch die Taufe mehr als 400 Wiener Juden vor der Vernichtung zu retten wird im letzten Kapitel dargestellt. Ihr späteres Schicksal wird allerdings nicht anders gewesen sein als das ihrer ehemaligen Glaubensverwandten.

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