Synagoge – Rossmühle – Garage. Für immer Ruine ?

Ausstellung im Stadtmuseum Korneuburg    17. Mai – 31. September 2015

Diese Ausstellung basiert auf dem Bestreben, Interesse für eine Ruine zu erwecken, die seit 700 Jahren in Korneuburg steht. Als Synagoge wurde das Gebäude erbaut, dann vertrieb man die Juden, da wurde es Schüttkasten und der Stadt vom Kaiser geschenkt. Es wurde Speicher, Lager, Magazin, Rossmühle. Im 30 – jährigen Krieg zerstört, im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut, im 19. Jahrhundert wurden Teile angebaut, im 20. Jahrhundert wieder abgerissen. Endgültig wurde es Ruine, nachdem 1942 ein Sturm das Dach zerstörte. Provisorisch mit einem Dach und einem Betonboden versehen, wird sie heute als Werkstatt und Garage verwendet ‑ sie zerfällt immer schneller.

Von Wissenschaftlern untersucht wurde das Gebäude fotografisch dokumentiert, bauhistorisch beurteilt, das ursprüngliche Aussehen zu rekonstruieren versucht, um schließlich festzustellen, dass es im deutschsprachigen Raum eines der bemerkenswertesten und wichtigsten Zeugnisse mittelalterlicher Synagogen-Architektur und weit über unsere Grenzen hinaus bekannt ist.

Der historische Ablauf soll den erzwungenen Siedlungsraumwechsel der Juden innerhalb der Stadt und den anschließenden Bau der Synagoge „Am Saurand“ erläutern. Sie war als öffentlicher Raum innerhalb der jüdischen Gemeinde Zentrum des Lebens. Die Einflussnahme der christlichen Mehrheitsgesellschaft auf die Errichtung und das Betreiben des Bethauses zeigt die beschränkte Freiheit der jüdischen Bevölkerung. Die Vertreibung der Juden, die Verwandlung der Synagoge in einen Profanbau und die Nutzung über die Jahrhunderte ist eng mit der Geschichte der Stadt verbunden.

Gerhard Buchinger zeigt in seiner Bau- und Besitzergeschichte erstmals eine neue Interpretation des Geschehens um dieses Gebäude, die, durch intensives Quellenstudium im Archiv der Stadt erarbeitet, die bisherigen weit verbreiteten Irrtümer in Frage stellt.

Der Versuch einer Darstellung all der Maßnahmen zur Erforschung, Erhaltung, Konservierung, Nutzung, architektonischen Gestaltung und Rekonstruktion der ehemaligen Synagoge, einschließlich ihrer historischen profanen Verwendungen, soll zur Information der Bevölkerung dienen und den verantwortlichen Politikern dieser Stadt die „historische Chance“ zur Erhaltung dieses einmaligen Kulturgutes vor Augen führen.

Dass eine Erhaltung eines solchen Denkmales für andere selbstverständlich ist, zeigen viele Beispiele in Europa – in Slowenien, in Tschechien, in Deutschland, in Polen u.a.

Am Beispiel der Stadt Bruck an der Leitha sieht man, dass dies auch in Österreich möglich ist. Der Bürgermeister dieser Stadt sprach von dieser einmaligen „historischen Chance“, nachdem der Gemeinderat im Dezember 2014 den Ankauf und die Restaurierung der ehemaligen mittelalterlichen Synagoge beschlossen hatte.

Verfasst von Mag. Klaus Köhler

 

 

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